Im Grunde wollte ich zu dem Thema „Kerner – Hermann“ nicht Stellung beziehen. Dies, um einerseits nicht Inhalt aus den erstaunlich ungeschickten Äußerungen einer Einzelperson (zunächst ungeachtet ihrer inhaltlichen Position) zu generieren, wie eben JBK in seiner Talkrunde selber es tat, namhafte Journalisten ebenso oder eine beachtlich hohe Anzahl von Bloggern, und andererseits auch nicht, um einer medialen Debatte mehr Gewicht zu verleihen, als es im Vergleich zu anderen Themen zweifelsohne nötig wäre. Nun habe ich mich aber in den letzten Tagen durch ein reichhaltiges Angebot an Reaktionen, Meinungen und Verwertungen des Kerner-Hermann-Eklats gewühlt und mich doch dazu durchgerungen, ein paar Worte zum Thema zu verlieren. Denn aus einer dümmlichen Mücke ist immerhin ein nicht zu übersehender medienpolitischer Elefant gewachsen und eben dieses Phänomen ist zweifellos interessant.

Vorab ein kurzer – und zwar sehr kurzer - Rückblick:

JBK lud zur illustren Runde. Eingeladen waren Eva Hermann, Margarethe Schreinemakers, Senta Berger und Mario Barth. Kerner zielte in seiner Rolle als Talkmaster augenscheinlich darauf ab, Hermann im Bezug auf ihre Äußerungen vor dem Forum Deutscher Katholiken (Mitschnitt hier: http://www.audio.osthessen-news.de/071006_FD_Katholiken_Forum_Herman_Vortrag.mp3), in der Vorstellungsrede des Buches „Das Prinzip Arche Noah – warum wir die Familie retten müssen“ oder gegenüber „Bild am Sonntag“, zu einer Entschuldigung vor der Öffentlichkeit zu bewegen. Eva Hermann hingegen zeigte nicht die geforderte Reue und förderte in der Tat noch ein paar disqualifizierende Aussagen und Vergleiche (etwa jenen Autobahn-Vergleich) zu Tage, welche dann auch sofort ausgesprochen wurden und die fachkundige Jury (bestehend aus dem Trio Schreinemakers, Berger und Barth) auf die vermeintliche Palme und Kerner in die Situation brachte, überlegen zu müssen, wie Beckmann an dieser Stelle reagieren würde. Den „Fortgang“ dieser Story kennt inzwischen sicher jeder.

Interessant sowie bedenkenswert finde ich nun unter anderem die folgenden Aspekte:
Insgesamt gaben beide, Hermann und Kerner, eine überdurchschnittlich klägliche Figur ab. Hermann übertrumpfte sich selbst erneut in Sachen ungeschickter Selbstinszenierung, obgleich man von ihr anderes hätte erwarten können, da sie schließlich das Mediengeschäft lange und sehr gut kennt. Sie nutzte also nicht die von Kerner (zu erwartende) Chance, vor der Öffentlichkeit mit einer Träne im Knopfloch Reue zu tun, um dann wieder die Gelegenheit zu besitzen, auf das Level einer inhaltlichen Debatte zurückkehren zu können, um dann endlich wieder erzkonservative Werte zu propagieren.

Kerner hingegen nutzte die Situation offensichtlich im Sinne eines medialen Debakels zugunsten von Einschaltquoten und Gesprächsstoff, aber disqualifizierte sich (vielleicht unplanmäßig) überdies als inhaltlich orientierter Diskussionsleiter mit einem gewissen Maß an journalistischer Kompetenz, unter anderem indem er (ich staunte nicht schlecht) Margarethe Schreinemakers in dieser Runde als moralische Instanz zuließ, was, um es milde zu sagen, unbegründet erscheint. Zuletzt verlief die Gesprächsrunde nach Ausschluss von Eva Hermann grotesk gewöhnlich, als wäre ein Hebel der Glückseligkeit umgelegt worden, nach dessen Betätigung Platin-DVD’s und inhaltsfreie Witze ihren Raum finden. Und was waren weitere Resultate? Erhöhte Verkaufszahlen des Buches von Hermann und gute Einschaltquoten.

Interessant ist ferner, wie die Hermann-Debatte die Medienberichterstattung anregt, polarisiert und gleichzeitig von anderen, vielleicht sogar wichtigeren Themen ablenkt. Ich vermute, es gibt durchaus ernstzunehmendere Bücher, über die sich insgesamt auch vortrefflicher reden und diskutieren ließe, aber ich verstehe auf der anderen Seite auch, warum die Thesen (vor allem gepaart mit der Formulierung ebendieser) einer Medienpersönlichkeit für Aufsehen sorgen. Natürlich bietet die Hermann-Debatte den Medienakteuren gerade auch durch den Rausschmiss bei Kerner eine vorzügliche Gelegenheit, sich selbst zu reflektieren und stellvertretend am medialen Beispiel Hermanns (was somit auch ein Abstraktes ist) über Meinungsfreiheit, den Gebrauch des Wortes „Gleichschaltung“ (also NS-Vokabulars) und die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit zu diskutieren.

Sicher gibt dieses Thema noch eine Menge Gesprächsstoff her, aber ich glaube, man muss diesen Elefanten nicht noch weiter mästen. Mediensoziologisch oder auch –analytisch ist hier sicher noch eine Menge anzufügen, aber von meiner Seite aus war’s das erst einmal.


 
Bookmark setzen: These icons link to social bookmarking sites where readers can share and discover new web pages.
  • Digg
  • del.icio.us
  • MisterWong
  • blogmarks
  • Technorati

Erstelle einen Kommentar

*
Aus Sicherheitsgruenden ist es notwendig, dass Du das folgende Wort richtig eingibst.
Anti-Spam Image