Da ich bei dem ein oder anderen Kunstportal (mein an dieser Stelle frei gewählter Sammelbegriff für: Webportale für Galerien und Künstler, Künstler-Communities, Künstler-Foren, Web 2.0.-Ansätzen zum Thema etc.) schon länger ein Profil besitze, erlaube ich mir mal, ein paar kurze Eindrücke zu schildern. Ich denke, die Ansprüche mit denen sich Künstler und Kunstschaffende (und seien es auch Laien oder Kunstinteressierte) bei einem solchen Portal anmelden, sind so unterschiedlich wie die Kunstepochen selbst. Vielleicht wird mit diesem subjektiven (!) Erfahrungsbericht ja manch einem bei der Suche des für ihn passenden Portals geholfen, objektive Empfehlungen kann ich hier dabei aber nicht aussprechen.

Ich möchte folgende Kunstportale etwas näher betrachten:

www.kunstnet.de, www.xarto.com und www.deviantart.com

Diese (sehr kleine) Auswahl entstand in erster Linie durch den Umstand, dass ich mir längst nicht alle Portale zum Thema, die in den konfusen Weiten des Netzes zu finden sind, wirklich näher angesehen hab und auch dadurch, dass sich viele Angebote doch irgendwie ähneln, so dass ich mir einfach ein paar Beispiele rausgepickt habe. Nun denn, fangen wir an …

 

Kunstnet (Link) – Die Oldschool-Community:

Beim Kunstnet habe ich schon 2004 einen Account eingerichtet und bin dort seitdem auch immer mal wieder in unterschiedlichem Ausmaß aktiv. Verantwortlicher ist der Constantin aus Berlin, der als Admin und Redakteur immer mal wieder in Erscheinung tritt. Dieses aber löblicherweise nur dann, wenn es auch wirklich notwendig ist. Mit Sicherheit ist es (unter anderem) diesem Umstand zu verdanken, dass die Kunstnet-Community nicht fremdgesteuert ist und so im Laufe der Zeit ihre ganz eigenen Spielregeln entwickelt hat (die man mögen kann oder nicht). Grundsätzlich kann sich dort jeder anmelden. Pro Tag ist es dem Angemeldeten dann möglich, ein Bild hochzuladen (inzwischen auch Videos, was aber so gut wie gar nicht genutzt wird – oder geht es inzwischen auch gar nicht mehr? Constantin?). Diese Beschränkung auf ein Bild pro Tag finde ich ok, denn es steht hier keine Saatchi-Gallery im Hintergrund, die sich den möglichst dicken Server mietet, um web 2.0. –technisch von Inhalten anderer zu profitieren. Zudem ist so die aktuelle Aufmerksamkeit auf die Bilder vieler gelenkt und es wird Spam in Bildform unterbunden, was nicht schlecht ist. Die weiteren Grundfunktionen sind neben dem eigenen Profil (auf welchem dann die Bilder erscheinen) Kommentarfunktionen, Foren zu diversen Themen, Kommunikationsfunktionen (Chat, PN), die Option Links einzustellen oder Favoriten anzulegen. Alles nicht gaaanz Web 2.0.-Style, aber vielleicht ist gerade das auch gut so. Schwerpunkt des Kunstnet ist meines Erachtens nach die Community selbst. Kunsttheoretische Diskussionen münden meist in Universalaussagen wie „Kunst ist alles“ und sind somit nicht die Vorzeigekompetenz der Runde, aber auf der anderen Seite haben sich im Kunstnet schon viele Leute gefunden, um auf anderem Wege ins Gespräch zu kommen oder mal eine gemeinsame Ausstellung anzuvisieren. Intensivst werden im Kunstnet die Kommentaroptionen genutzt. Das ist in meinen Augen Vor- und Nachteil zugleich. Denn Aufmerksamkeit erlangen meist nur die Arbeiten, die reich mit Kommentaren behandelt werden. Das hat nicht immer etwas mit der Qualität der Arbeiten zu tun, sondern manchmal auch nur mit den Vorlieben der Platzhirsche. Aber trotzdem hält dieser Umstand die Community auf Trab und ist struktureller Geburtsort so manch einer Grundsatzdebatte, z.B. über Zensur bei Pornoartigen Arbeiten oder den Wert von Digitaler Kunst etc. Insofern verstehe ich das Kunstnet als gewachsenen Organismus, der nicht unbedingt Ort der Wahl für Theoretiker wäre, aber seinen ganz eigenen Charme besitzt. Ich habe jedenfalls schon manch interessante Person über das Kunstnet kennen gelernt und habe auch gesehen wie manche Bekanntschaften über den virtuellen Raum hinaus Früchte trugen. Wer also eine Community sucht, um mal zu sehen, was so passiert, ist hier sicher gut aufgehoben. Allerdings – Trolle gibt es hier auch oft zu beobachten. Wen das nicht über alle Maße stört, sollte mal einen Blick riskieren.

Hier mal einer meiner Favoriten aus den Weiten des KN- 3 Head Cradle von André M. Kuhl

3 Head Cradle von André M. Kuhl

Anmerkung für André: Sollte es Dir nicht gefallen Dein Bild hier zu sehen, schreib mir bitte und ich entferne es umgehend.

 

 

 

Xarto (Link) – das Profilportal

Bei Xarto (ich bin dort auch schon eine ganze Weile angemeldet) gibt es ähnliche Funktionen wie bei Kunstnet, allerdings läuft dann irgendwie doch alles ganz anders ab. Man kann insgesamt 48 Bilder hochladen und hat im Vergleich zum KN mehr Möglichkeiten, das eigene Profil mit Text zu füllen. Im Profil ist es möglich Persönliche Daten, Kontaktinformationen, eine Biographie und einen subjektiven Text zur (eigenen) Kunst mit der Welt zu teilen. Des Weiteren findet man auch hier die Kommentarfunktionen, ein ins Profil eingebettetes Gästebuch und kann Favoriten anlegen. Ähnlich dem KN gibt es auch hier ein Forum mit diversen Themen und ein internes Nachrichtensystem zur Kommunikation. Überdies sind hier auch ein paar Galerien „anwesend“, wobei die Betonung auf „ein paar“ liegt. Es gibt die Möglichkeit Verweise und Artikel abzulegen, um z.B. für einen Event oder eine Seite ein wenig Werbung zu treiben. Insgesamt sind auf Xarto jedoch weniger Mitglieder angemeldet als z.B. im Kunstnet und das liegt meines Erachtens daran, dass die Dynamik und Kommunikation in der Community nicht wirklich funktioniert. Kommentare werden nur spärlich abgegeben und das Forum ist auch nicht das frequentierteste, welches ich bislang sah. Verantwortlicher ist übrigens wieder ein Berliner.

Vielleicht wurde hier versäumt, den Mitgliedern mehr intuitive Tools zur Interaktivität und Kommunikation an die Hand zu liefern. Insofern wirkt Xarto auf mich bislang etwas statisch. Dafür finde ich die Präsentationsmöglichkeiten, welche einem das Profil bietet recht ordentlich. Man hat die Gelegenheit genügend Bilder zu präsentieren und kann (was ich im Kunstnet beispielsweise vermisse) – so man möchte - auch ein paar erklärende Statements einbinden. Somit liegt für mich hier der Schwerpunkt oder Nutzenpunkt ganz klar auf der Präsentationsebene. Man hat hier die Möglichkeit sich auf einfachem Wege eine Präsentationsseite aufzubauen, die man z.B. andernorts verlinken kann.

 

 

 

DeviantART (Link) – Das Digital-Lifestyle-Portal (oder so):

Hier möchte ich einen Wikipedia-Artikel vorwegschicken: http://de.wikipedia.org/wiki/DeviantART
Dieser beschreibt ein paar Grundzüge des Angebots und umreißt auch ein paar Kritikpunkte, die im Bezug auf DeviantART notiert wurden.

Im Unterschied zu dem Kunstnet handelt es sich bei DeviantART um ein kommerzielles Produkt, was Web 2.0-technisch aufgepimpt ist und irgendwie ziemlich stylisch daherkommt. Die Funktionen hier erinnern mich zunächst ein wenig an MySpace und ich vermute auch, dass es so anders gar nicht ist. Stylish wirkt die Sache zumal dadurch, dass ein Schwerpunkt bei DeviantArt offenbar der digitalisierbare Bereich der Kunst ist. So haben viele Designer und Vektorfuzzies (ich habe nichts gegen Vektoren, aber auch nichts gegen den Rest) hierher gefunden und zudem ist Manga und Fanart offenbar hoch im Kurs. Bei DeviantArt gibt es wirklich Unmengen an Nutzern und darunter eben auch viele interessante Künstler, die nicht nur machen, was alle machen. Einen von diesen habe ich übrigens gestern vorgestellt. Was mich jedoch in erheblichem Maße an DeviantArt stört, ist neben dem schon erwähnt Stylischen (was nämlich auch gezwungen wirkt), der auch von MySpace bekannte Mechanismus, dass man super viele Freunde haben sollte, um auch ein Mindestmaß an Rezeption zu ergattern. Das lässt sich dann in der Konsequenz meistens anhand weniger goldener Regeln zusammenfassen: Habe so viele Favoriten wie möglich; Habe so viele Freunde wie möglich; Finde so viel wie möglich gut; … Naja, und was eben für kreative Jungwerber funktionieren mag, muss für Kunst nicht immer gelten, wobei heutzutage schon jedem klar sein sollte, dass Generierung von Aufmerksamkeit Standard geworden ist. Zu welchem Preis aber?

Apropos Preis – bei DeviantArt kann man auch Kunstdrucke oder Poster etc. bestellen und weitere Funktionen durch Zahlung von Betrag x freischalten. Darüber kann ich allerdings wenig sagen, da mir die kostenlosen Features reichen.

Insgesamt spricht mich DeviantART also nicht komplett an, da es für meinen Geschmack „zu cool und zu designlastig“ ist. Das mag manch einem gerade gefallen und dann ist es auch gut so, aber in meinen Augen verklärt sich hierdurch der Blick auf Kunst und in dieser Art von Öffentlichkeit möchte ich auch nicht besonders präsent sein. Durch die Masse an Nutzern lohnt sich aber dennoch der Blick auf die Inhalte von DeviantART, weil es hier durchaus die ein oder anderen optischen Hochgenüsse zu entdecken gibt.

 

 


 
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Ein Kommentar zu “Kunstportale im Blick: ein subjektiver Erfahrungsbericht”

  1. reiter sagt:

    Hallo teriell,

    leider hat sich diese Diskussion über Kunstportale nicht bis zu meinem auftauchen hier fortgesetzt - bin wohl zu spät.
    Ich denke das Kunstportale neben ihrer offensichtlichen Qualität wie der Benutzerführung dem User zwei Dinge bieten müssen. Zu aller erst erwarte ich einen Eventkalender der gut gepflegt ist und in dem ich Galerien und Künstler finde, dann muß sich der Künstler auch noch einbringen können, sei es in Form eines Forums oder einer eigenen Seite.
    Angerufen wurde ich von einem netten Mitarbeiter von

    http://www.art-report.com/de

    zwar einer noch recht jungen Seite der man den Aufbruch noch anmerkt, die aber kostenlose Künstlerprofilseiten und ein Forum geplannt haben - ich bin dann mit dabei.
    Schickt denen mal eure Künstlerdaten und überzeugt euch von der Seite.

    Gruß reiter

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