Esoterikfalle bei Maischberger
Der Artikel ist von: teriell in Gesellschaft, Medienspiegel, MedienEs scheint sich ein neuer Trend in der Talkszene abzuzeichnen. Kerner setzte Hermann an die Luft (siehe Artikel) und Knoff-Hoff-Altmeister Joachim Bublath flüchtete gestern vor Nina Hagen und einer Diskussion, die zu wenig Standpunkte kannte. “Einfach weggehen” heißt also der neue Trend aus den Thinktanks der Talkredaktionen oder – „Verluste gibt es immer“. Das Rezept hierfür ist denkbar einfach. Man konstruiert sich eine Runde, die sich erkenntnishemmender nicht auswirken könnte und lässt die Sache einfach mal laufen… Ich meine – Mario Barth, Margarethe Schreinemakers sowie Senta Berger mimten schon das selbstgerechte Hermann-Tribunal und Nina Hagen führte am gestrigen Abend neben Sabrina Fox (eine spirituelle Beraterin, die in Sachen Engeln unterwegs ist), Johannes von Buttlar (ein populärwissenschaftlicher Autor in Ufo-Angelegenheiten) und Walter von Lucadou (einem Parapsychologen) die Schlacht gegen die Wissenschaft. Sagen wir, von letzterem (Walter von Lucadou) hätte man durchaus eine objektivere Sichtweise und dann auch Ausformulierung im Bezug auf Ufoentführungen (und Engelserscheinungen etc.) erwarten können, da dieser als Physiker und Psychologe immerhin gerade Wissenschaftler ist. Auf die Frage von Maischberger, ob es denn nun bei den Ufoentführungen wirklich um eine reale Begebenheit ginge oder es sich vielmehr um ein psychologisch begründbares Phänomen handle, wich dieser allerdings immer wieder aus und argumentierte so im diffusen Mittelfeld der Möglichkeiten. Dies begleitet von den Love-and-Happiness-Zwischenrufen (übersetzt auch: „against Bush and Science (and Bublath, too)“) von Esoterikdiva und Bohlenkomplizin Nina Hagen sowie dem die Szene untermalenden, hilflosen Seitenblicken von Joachim Bublath. Die Situation war also vornehmlich abstrus, was durch die zart-einfühlsam unaufgeregte Stimme der Engelsfreundin und ihren Kommentaren á la „Alles ist möglich, so Gott will“ auch so blieb. Der arme Bublath kam dann irgendwann, nachdem er sich schon eine Weile im Hintergrund gehalten hatte, auch auf die Idee, dass er sich wirklich am falschen Orte zur falschen Zeit befinde und wählte konsequenterweise den Abgang aus Protest - der Fernsehwissenschaftler kapitulierte. Und auch wenn die Runde nicht wirklich versprach eine objektive Antwort auf Ufo-Phänomene und Engelserscheinungen vermittels der Kommunikation zu ergattern, so war die Sandra M. doch ein wenig erschrocken ob des Verlustes der letzten objektiven Instanz innerhalb dieser Runde. Ich meine aber – wenn man sich in erster Linie quotenversiert eine Runde zusammenstrickt, anders ist Nina Hagen hier als Gast wohl nicht wirklich zu erklären, dann sollte man sich über das Fazit einer Sendung auch nicht vollends wundern.
Und das Fazit ist: Es war ein lustig anzusehender Medienzirkus, der ein wenig den Eindruck hinterließ, dass die Epoche der Aufklärung nur eine kurzweilige Laune der menschlichen Natur war und dass Gesprächskultur heute auch etwas mit Meinungsverweigerung zu tun hat. Da solche Shows sich aber nicht immer schlecht im Hinblick auf die Quoten auswirken, warte ich erst einmal die nächste illustre Talkrunde ab und somit vielleicht auch den nächsten Abgang von einem der Gesprächsteilnehmer. Wäre übrigens auch mal eine Idee – Kanzlerduell zwischen Beck und Merkel und einer der beiden haut einfach ab – da würde man Wochen drüber schreiben.












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November 1st, 2007 um 14:40
herrlich - so ähnlich floss es mir ebenfalls aus der feder. möge der zuschauer ruhig weiter schlafen wenns wenigstens ab und zu solche sendungen gibt und womöglich eine echte diskussion anregen sollten. ich dachte die zeiten peinlicher befragungen und öffentlicher hinrichtungen sei vorbei. naja okay, die amis stehn noch drauf, das erklärt eventuell auch eva hermanns “schuldig” bei kerner :/
November 1st, 2007 um 20:18
Hätte gedacht das der Butlar die Runde ein wenig ausgleichen würde. Aber anscheinend ist er wohl auch inzwischen VollGaga geworden ?
Hab es allerdings jetzt nicht gesehen muß ich zu meiner Schande gestehen.
Interessant geschriebener Bericht Sebastian. Kann man sich ja fast den Fernsehalltag schenken demnächst.
Alles wichtige in kleinen kompakten Rezensionen demnächst hier.
Zum Thema Medienkritik gibt es demnächst auch einen interessanten Film. “Free Rainer” mit Moritz Bleibtreu.
November 2nd, 2007 um 2:32
Hi Thomas,
danke für’s Lob und den Filmtip.
Viele Grüße, Sebastian