Ich hab mir eben ein paar Gedanken dazu gemacht, wieso es eigentlich (inzwischen) so viele Künstler gibt, die keine blühenden Blumenwiesen malen…. Hier mal ein kleiner Auszug:

Das Händeschütteln (von mir) Meinen Bildern (ob nun gemalt, gezeichnet oder digital erstellt) wurde schon des Öfteren eine düstere Note unterstellt. Düster im Sinne einer dargestellten Morbidität. Und klar, viele Motive oder Bilder sind düster, erzählen nicht von einem Sonnenuntergang auf Capri. Für die einfachen Leute, die mit Kunst eher wenig am Hut haben, stellt sich dann meist nur die Frage, was da dargestellt sei und warum. Die versierteren Leute neigen andererseits eher notorisch zur kunsthistorischen Einordnung des Ganzen – ist es ne Art Symbolismus oder wird hier einfach Giger zitiert? Gerade ist ja (neben völlig abstrakten Dekorationen, die emotional legitimiert immer ihren Platz finden) stets der Realismus hoch im Kurs. Da wird hier einem Film sein realistisches Daherkommen samt differenzierter Gesellschaftskritik bescheinigt und dort wird der sozialistische Realismus zitiert und wieder andernorts versucht man, möglichst fotorealistisch zu pinseln. Auf der anderen Seite, und an den Beginn des Artikels anknüpfend, stelle ich aber fest, dass es den letzten Jahren eine inflationäre Zunahme jener Leute festzustellen ist, die eben diese symbolistisch-düster anmutenden Schinken auf die Leinwand oder „in den“ Bildschirm zimmern. Giger (Link) oder Helnwein (Link) sind sicherlich zwei bekannte Vertreter der tendenziell düstren Rige (wobei sie sich in ihren Arbeiten sehr unterscheiden), aber wirft man dann auch mal einen weiteren Blick z.B. in die Weiten des Netzes, dann findet man doch wesentlich mehr „Morbides“ (als Sammelbegriff dieser Motivrichtung) als man annehmen mag. Die Frage ist ja nun, woher kommen all diese finstren Gesellen? Wieso malen die das ganze Horrorkabinett? Und was ist das überhaupt?

Pathetic Zombie Puppet by spock84@deviantart

Tja, zunächst mal finde ich spontan, dass sie (vorsichtig gesagt: neben anderen Stilrichtungen) eine Lücke füllen, zwischen der schon erwähnten Welt des Realismus (der oft auch meiner Meinung nach ein wenig zu naturalistisch daherkommt, als es angebracht wäre) und zwischen den losgelöst abstrakten Sachen. Für meine wackligen Gehversuche mit dem Malen / Zeichnen etc. kann ich jedenfalls folgendes festhalten: Es erschien mir zu Übungszwecken zwar schon immer plausibel, einen Akt oder ein Stillleben anzufertigen, aber mehr Grund dafür gab es dann auch nicht. Insofern erschien mir dies und ähnliches als ein zeitraubendes Unterfangen, wenn man zumal bedenkt, dass man durch andere Motive gleichsam den Blick und das Wissen über Formen oder Texturen etc. schulen muss. Die Welt des Abstrakten war mir immer zu esoterisch, ein bisschen zu viel Therapie und dabei zu beliebig (oder unverbindlich), wobei immer mal wieder ein Ausbruch in diese Richtung mit baldiger Bestätigung der vorangegangenen Meinung unternommen wurde. Impressionistisch malen? Wohl kaum. Das hat für mich nur Sinn ergeben, wenn man gerade die Farbtube erfindet und erstmals aus dem Atelier gelassen wird, um den Eindruck des Lichts zu beschreiben, weil man davon plötzlich hin und weg ist. So fällt schon mal vieles weg. Interessant fand ich z.B. zu Beginn die Expressionisten (durchaus auch Leute mit dem Hang zu sozialkritischen Themen, also in gewisser Weise expressionistische Realisten), Futuristen oder Dadaisten, dann aber auch Klassiker wie Goya oder definitiv einige Comics. Und ganz klar würde ich hier weitergehen und sagen, die Comics haben mich weitaus mehr sozialisiert (im Sinne der Bilder) als Grosz, Dix, Goya oder Hausmann z.B. Und vermutlich gilt gleiches auch für das Fernsehen. Das bedeutet unter dem Strich erstmal, die Motive entlehnen sich eher aus einer Realität der Massenmedien und weniger aus einer kunsthistorischen Reflexion. Diese kam erst viel später und hatte hier und dort minimalen Einfluss.

Kann man nun annehmen, dass es andernorts bei anderen Leuten ähnlich verlaufen ist? Keine Ahnung. Ich vermute aber, dass man mit einem kunsthistorischen Erklärungsversuch der morbiden Sache nicht beikommt. Viele dieser Künstler sind im Übrigen nicht wirklich alt. Grob geschätzt würde ich die meisten zwischen 20 und 40 einordnen (und 40 ist sicher die Ausnahme). Wenn man annimmt, der Schnitt dieser Leute liegt bei ca. 30, dann könnte man sagen – es sind tendenziell weder Alt-68-er, noch Hippies, die Bilder aus Goa an der Wand hängen haben, noch Kinder des Wirtschaftswunders. Es sind Leute, die in der späteren Phase des Kalten Krieges Kinder waren und mit Kurt Cobain eine Jugendikone ins Grass beißen sehen haben. Gerade die Musik- und somit Jugendszene zu der Zeit bestand nicht etwa aus der Rezeption von Roland Kaiser oder Janis Joplin, sondern eher aus den Nachwehen der Punkbewegung, aus Rock (sowie Heavy Metal oder eben schon Grunge) und natürlich auch anderen Lagern wie Pop und beginnende Elektronik in dem Kontext (ich vermute aber, Pop und Elektronik haben keinen Künstler des morbiden Lagers hervorgebracht). Unter meinen ersten Platten befand sich z.B. „Somewhere in time“ von Iron Maiden und ich habe Stunden damit zugebracht, dieses Cover zu bestaunen. Naja, wie auch immer … viele der Kinder von damals sind nun erwachsen und malen oder machen digitale Bildchen. Meine Vermutung ist also, dass es weniger mit dem kunsthistorischen Kontext zu tun hat, dass es inzwischen so viele dieser morbiden, düstren Kunstwerke gibt, sondern eher mit gesellschaftlichen Aspekten und den Medienbildern dieser Zeit. Diese bilden eine (ich sag mal salopp) symbolische Ausgangsbasis, die dann weiter in die verschiedensten Richtungen überführt wird. Zudem wirkt sich der „Mangel an Ausdrucksangebot“ (hier Realismus, dort Abstrakt) auch in einer gewissen Weise aus, nämlich dass es für beliebige Belange dort zu wenig Spielraum gibt.

Aber letztlich gilt wohl auch: Jeder Jeck is anders ;)

Ein paar Links:

http://www.whokilledbambi.co.uk/

http://beinart.org/

http://browse.deviantart.com/…

http://blog.teriell.de/2007/10/30/tip-sketch-theatre/


 
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Ein Kommentar zu “The dark side of Art”

  1. The dark side of art V.2 : TeriellBlog sagt:

    […] TeriellBlog 1 wurden bereits ein paar lose Gedankengänge zum Thema “Die Dunkle Seite Der Kunst” in […]

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