Artikel zum “Mythos des Echten”
Der Artikel ist von: teriell in Philosophie, Fundstücke aus dem Netz, KunstIn dem Artikel “Der mystische Charakter des Alten” versucht Christian Buder bei der Zeit Online der Frage nachzugehen, warum ein Original (z.B. ein originaler Matisse) für uns mehr Wert besitzt als eine gute, neue Fälschung. Seiner Überlegung zufolge hebt ein (originaler) Kunstgegenstand, dessen Geschichte anerkannt dokumentiert ist, seinen Besitzer in eine Art Adelsstand und gibt diesem somit gleichzeitig “Geschichte”. So heisst es in dem Artikel (hier nochmal der Link):
Die Identifikation mit dem erworbenen Objekt zielt bei dem Echten nicht auf den Gegenstand, sondern auf dessen Herkunft. Man kann sich nicht mit der Geschichte eines Gegenstands identifizieren, wenn diese ein Produkt der eigenen Vorstellung ist. Durch den Erwerb des echten Gegenstands reiht sich der Käufer selbst in die Geschichte dieses Gegenstands ein. Der Käufer hinterlässt nun selbst eine geschichtliche Spur und erhält seinen Platz in der Genealogie des Gegenstands. Der Besitzer wird Mitglied der Familie im Stammbuch des Gegenstands.
Ich stelle mir nun, anknüpfend an diese These, eine grundlegende Frage … Wieso, wenn es also nach erwähnter These um den Besitz des Gegenstandes geht (um sich in dessen Geschichte ein Plätzchen zu reservieren), pilgern Kunstjünger in ein Museum, um sich dort bspw. das Original der Mona Lisa anzuschauen? Man kann doch annehmen, dass nicht jeder Besucher eines Museums mit dem Gedanken spielt, ein originales Werk zu erwerben oder zu entwenden. Das heisst, die reine Betrachtung des Originals bedeutet manch einem neben dem Besitz desselben auch etwas. Somit kann auch die grundlegende Faszination am Originalen nicht bloß wie oben zitiert begründet werden. Obige These begründet zwar die Funktion als Statussymbol für den Besitzer eines originalen Kunstwerkes, nicht aber die dem Werk anhaftende mystische “Aura”, welche auch dem (nicht durch Besitztum motivierten) Museumsbesucher entgegenwirkt.
Ich empfinde die Begriffe der “Spur” und “Aura” von Walter Benjamin (Link zum “Aura”-Begriff von Benjaminin bei der Wikipedia) diesem Zusammenhang als weitaus dienlicher und richtiger, da sie auch ohne das Besitzen-Wollen eines Originals Aufschluss geben. Im “Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit” bzw. auch in Zeiten der Digitalisierung ist es in meinen Augen überaus wichtig, den Wert des Originalen wenigstens ansatzweise zu verstehen. Ein gutes Beispiel für das Problem mit dem Originalen ist hier die Digitale Kunst (was hier als Sammelbegriff zu verstehen sein soll). Die technischen Produktionsmittel, mit denen ein “digitales” Kunstwerk erschaffen wird, sind von Anfang an eben auch den Prinzipien der digitalen Reproduzierbarkeit untergeordnet. Ein Original kann es z.B. bei einer digitalen Photomontage grundlegend nicht geben, da die Arbeitsschritte selbst nur eine Abfolge digitaler Befehle sind, welche nicht unwiderrufliche Singularitäten darstellen, sondern welche durch ihr Auftreten schon zur (dokumentierten) technischen Anleitung der Arbeit werden. Ein mit Photoshop erstelltes Bild beinhaltet während der Bearbeitung die Informationen der vorangegangenen Arbeitsschritte und ist stellt damit auch seine eigene Beschreibung dar. Digital produzierte Kunstwerke werden meist nur durch Limitierung des Drucks oder eine weitere Überführung in den “analogen” Raum mit einem Hauch von Aura und Originalität aufgeladen. Ein solcher Druck könnte bspw. nach der Argumentation von Christian Buder ebenso mit dem Mythos des Echten beseelt werden, da er Besitzer haben könnte und somit seine und die Geschichte der Besitzer weiterführt. Doch dem Unterschied zwischen einem technisch (re-) produzierten Kunstwerk und einem Ölschinken von Picasso kommt der Ansatz leider nicht bei.












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