Studie: Deutsche Zustände
Der Artikel ist von: teriell in Gesellschaft, Wissenschaft, Soziologie, UniversitätDie Zeit Online berichtet über eine Langzeitstudie des Bielefelder Sozialwissenschaftlers Wilhem Heitmeyer (Link zu Heitmeyer’s Website), in dessen Mittelpunkt die Einstellung der Deutschen gegenüber “schwachen Gruppen” (gemeint sind hier z.B. Obdachlose, Fremde etc.). Die Ergebnisse der Studie sind sehr aufschlussreich, da sie zumal den Zusammenhang von einer in der Bevölkerung verbreiteten ökonomistischen Logik (der Effizienz und Nützlichkeit) und Ressentiments bspw. gegenüber Langzeitarbeitslosen aufzeigen. Die Zeit Online schreibt:
“Der forcierte Übergang von der Marktwirtschaft zur Marktgesellschaft zeigt sich darin, dass ökonomistische Prinzipien wie Effizienz und Nützlichkeit das soziale Leben durchdringen und andere, nicht marktrelevante Grundsätze wie Empathie und Fürsorglichkeit überformen oder gar zurückdrängen. Ökonomistisches Denken ist die subjektive Verankerung kapitalistischer Logik in der Gesellschaft. Das hat zur Folge, dass sich ökonomistisches Denken in breiten Bevölkerungskreisen entwickelt und verankert hat (siehe Grafik 3). Ein Indikator ist dabei der von den Menschen wahrgenommene Flexibilitätszwang. Damit meinen wir, dass auch die Elemente des gesellschaftlichen Zusammenlebens, etwa soziale Beziehungen, einer Gewinnkalkulation unterzogen werden.”
Einzelne positive Entwicklungen, welche sich aus der Studie ableiten lassen, sind, dass sich z.B. die Fremdenfeindlichkeit verringert hat, also die negativen Einstellungen gegenüber Fremden 2007 abnahm. Ich finde allerdings, dass es nicht sonderlich erbaulich ist, wenn solche Zahlen sich in jährlichen Tendenzen ausdrücken lassen. Insofern ist es zwar eine positive Entwicklung, die aber erst wirklich positiv wäre, wenn die negativen Einstellungen gegenüber Fremden nachhaltig abnehmen würden. Bei “Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit” sind übrigens keine deutlichen Veränderungen festzustellen.
Die Ergebnisse der Studie werden im Suhrkamp Verlag veröffentlicht und sind dann in dem Band »Deutsche Zustände« (Folge 6) enthalten.
Links zum Thema:
- Interview mit W. Heitmeyer zum Thema Rassismus (aus 2006)
- Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung / Uni Bielefeld
- Artikel bei der Zeit Online
- Artikel bei der taz












Entries (RSS)