Die dunkle Seite der Macht
Der Artikel ist von: teriell in Gesellschaft, Wissenschaft, Soziologie, Bitwelten, MedienDie Geschichte der Menschheit hat uns mit Sicherheit eines eindeutig gelehrt: Es kommt nichts Gutes dabei heraus, wenn eine Person oder eine Institution überdurchschnittlich viel Macht und Einfluss besitzt. Gerade das zwanzigste Jahrhundert hat uns hierfür genügend Beispiele geboten. Sollte diese Faustregel innerhalb der Nach-”Gutenberg-Galaxis” (Zum Begriff Gutenberg-Galaxis, Vgl. McLuhan. Kurze Übersicht: hier) nicht mehr gelten? Sie gilt! Und zum Beispiel der Bot, der dieses frische Posting gerade besucht ist ein Beweis hierfür. Heutzutage besitzen nicht mehr bloss Parteien oder Könige Macht, sondern unanständig gross gewordene Firmen wie Google.
Ein Forschungsreport zu grossen Suchmaschinen, insbesondere Google, und der damit in Zusammenhang zu bringenden Gefahren wurde von Wissenschaftlern der TU Graz, der Uni Salzburg und dem Forschungszentrum L3S Hannover im September des vergangenen Jahres veröffentlicht. Dieser ist hier als PDF-Datei und in englischer Sprache einzusehen und sei wärmstens empfohlen. Heise veröffentlichte daraufhin auch einen Artikel, in welchem manche Aspekte aufgegriffen werden.
Ich habe schon einmal meine Sicht der Dinge angedeutet, in dem ich meinte …
“Wenn man bedenkt, dass Google bereits ein Roboterwettrennen zum Mond initiierte (hier nachzulesen), Paul Allen schon dass Projekt SpaceShip One (Infos hier) finanzierte, stellt man sich die leise Frage, welches Gewicht privatwirtschaftliche Unternehmungen in der Eroberung des Sonnensystems schon gegenwärtig haben.” (In: NaNeNo vom 12.10.07)
Vor wenigen Jahren waren es “nur” Länder oder Weltraumorganisationen wie die ESA (mit immerhin 17 Mitgliedsstaaten), die sich um die Exploration des Weltraums kümmerten. Nun sind es eben auch Suchmaschinen! Über die diesbezüglichen Absichten braucht man wohl nicht lange spekulieren. Doch man muss nicht die Erde verlassen, um die Möglichkeiten von Macht zu erahnen. Vor einigen Jahren hätte man es sicher für einen merkwürdigen Witz gehalten, bekäme man erzählt, dass ….
- … eine einzige Firma mit dem drittgrößten Land der Welt (lediglich bezogen auf die Fläche) verhandelt, nämlich China, und der dortigen Regierung hilft die zweite grosse Mauer des Landes, genauer die “Great Firewall” zu errichten. Somit unterstützt der Konzern aktiv die Zensur und Informationseinschränkung eines ganzen (und eben nicht gerade kleinen) Landes.
- … eine Übernahme eines Videoportals für 1,65 Milliarden Dollar möglich ist. Auch andere Übernahmen seitens Google erscheinen in ihrer Summe als ziemlich unrealistisch, wie ich finde.
- … dass Informationen nicht mehr im klassischen Sinne recherchiert werden, sondern bloss noch “gegoogelt” und dass so Plagiarism wie ein Massensport erscheint (übrigens auch im wissenschaftlichen Rahmen, wie der eingangs erwähnte Bericht aufzeigt).
- … die meisten Informationen über das Geschehen in der Welt (Stichwort: Data Mining, Auswertung von Informationen und Profilen etc.) ein Konzern besitzt. Zurecht (!) betrachtet man die Stasi-Methoden heute als skandalös oder misstraut erheblich der eingeführten Vorratsdatenspeicherung. Aber mal ehrlich, vergleicht man das mit der Informationsmenge die Google zur Verfügung steht, braucht man nicht viel Phantasie, um sicher zu wissen, welche Macht dieser Besitz bedeutet.
- … die Informationen über die Welt auf der anderen Seite manipuliert werden können und diese so keinem objektiven Abbild entsprechen können. Heute “googelt” fast jeder sein Bild der Welt zusammen und vertraut auf das, was ihm dort (nach schwer überprüfbarer Relevanz sonderbar sortiert) angeboten wird. Hätten die Machtapparate der Vergangenheit eine solche Möglichkeit zur Manipulation der Information zur Verfügung gehabt, wären manche Kapitel der Geschichte wohl noch schwärzer gewesen, als sie es ohnehin schon waren. Ein Beispiel für die Manipulation der Suchergebnisse ist neben der Zensur in China unter anderem die Herausnahme von BMW aus dem Suchmaschinenindex (hier ein Artikel bei Golem.de). Eine Machtdemonstration, die erahnen lässt, was möglich wäre.
- … ca. 10% des weltweiten Datenverkehrs auf das schon erwähnt übernommene Videoportal (Youtube) zurückzuführen sind (hier ein Artikel), was - mal ganz ehrlich - ein richtig dicker Batzen ist. Hier knüpft nämlich (rein hypothetisch) dann wieder die Möglichkeit zur Manipulation an, die gerade in Zusammenhang mit der Suche von Information erwähnt wurde. Ob es sich dabei um die Möglichkeit handelt, “digitalen Wahlkampf”, “Citizen Journalism”, simple Werbung oder was auch zu pushen oder aber zu drücken, ist dabei offen. Die Möglichkeiten sind (erschreckenderweise) nahezu unbegrenzt.
- … eine Suchmaschine einen Marktanteil von ca. 90% besitzen kann (siehe Artikel). Würde es sich im Zusammenhang mit solchen Marktanteilen um einen Zahnbürtenhersteller oder dergleichen handeln, machte mir das keine Sorgen. Da es sich aber um “ein Fenster zur digitalen Welt” handelt, bin ich im Hinblick auf eine derartige Monopolstellung überaus skeptisch. [Ein Verweis in diesem Kontext noch: http://www.google-gesellschaft.de/]
- usw. …. etc.
Eine derartige Vormachtstellung im informatorischen Sinne ist kurzum überaus bedenklich. Neben der Möglichkeit zur Manipulation, Zensur und Desinformation ergeben sich aber auch andere Konsequenzen. Nämlich solche, die eben unermesslich viel Kapital mit sich bringen kann. Eine Firma, die so viele Übernahmen (hier eine ungefähre Liste der Übernahmen von Google) tätigt und dadurch ihren Expansionshunger unter Beweis stellt, demonstriert damit auch ganz simpel die wirtschaftliche Macht und die klare Motivation, diese zu gebrauchen. Dieses gilt allerdings auch klar für andere Unternehmen (hier einen Artikel zu den mächtigsten Firmen der Welt nach den Daten des Wirtschaftsmagazins Forbes). Aber in meinen Augen ist erst der Besitz von beidem - der Information und des Kapitals - zukünftig von besonderer Bedeutung. Bislang hat Google vornehmlich Unternehmen aus der Kommunikations- und Internetbranche (bzw. was dem digitalen Bereich zuzuordnen wäre) übernommen. Doch ich glaube nicht, dass ein guter Stratege es dabei belassen würde, oder? Jedes Produkt oder jede Ressource wäre durch den Besitz der größten Suchmaschine der Welt (und allen anderen entstandenen Produkten wie Kanälen) erstklassig zu promoten sowie auch zu distribuieren. Die Qualität der dinglichen Welt könnte so (neben der Qualität einer informatorischen Welt) in den Hintergrund treten und durch das Prinzip der Bekanntheit entgültig ersetzt werden. Das erwähnte Beispiel mit der “Ausblendung” von BMW zeigt schliesslich, dass die Suche von Firmen und deren Produkten erheblich manipuliert werden kann, insofern denn das Interesse besteht.
Aber das sind natürlich nur alles “gedankliche Spielereien” meinerseits…
Nun muss man sich aber auch die selbstkritische Frage stellen, inwieweit man durch das eigene Zutun das Monopol dem man nicht traut unterstützt. Selbstanklagen muss ich mich z.B. als Blogger definitiv in folgenden Punkten:
- Ich benutzte schon oft Google als Suchmaschine und Einstieg in eine Recherche.
- Ich habe schon öfter Youtube-Videos eingebunden und einen dortigen Account
- Ich habe die angenehmen Features von Google-Maps, -Earth etc. benutzt und auch eine Startseite Google eingerichtet, auf welcher mir Nachrichten und Blogs zusammengefasst werden (und mein Profil somit verdichtet)
- usw.
All jenes sollte ich, insofern meine Meinung zu Google nicht nur blosses und unverbindliches Geschwätz ist, als Konsument vermeiden und mindestens aber stark einschränken. Das werd ich fortan auch mal versuchen…
Im Bezug auf Blogs und andere Websites finde ich, dass es noch weiteres zu sagen gibt:
Man sollte sich vielleicht überlegen, ob es wirklich nötig ist, auf AdSense zurückzugreifen, um ein paar Kröten zu verdienen. Unterm Strich lohnt es sich wahrscheinlich eh für die wenigsten, aber Google macht erneut den Reibach und erlangt weitere Möglichkeiten Profile zu verdichten und mit Informationen zu spielen. Ein weiterer Punkt ist, dass ich es echt lächerlich finde, wenn manche Blogs alleine daraus bestehen, ein paar Youtube-Videos vorzustellen. Es ist völlig klar, dass dort ein unglaublicher Fundus an Material zusammenkommt, auf den man sich auch durchaus gerne bezieht um eigenes Interesse zu verdeutlichen, aber ein paar eigene Inhalte sollten dann zwischen den embedded objects doch noch zu finden sein. Das ist übrigens eine weit verbreitete Erkrankung der Blogosphäre, wie ich finde und von welcher ich mich ja auch nicht gänzlich freisprechen möchte (wie schon erwähnt).













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