Gedanken zum Netz, zur Kunst, zum Sampling und so … [1]
Der Artikel ist von: teriell in Blogging, Gesellschaft, Medienwissenschaften, Bitwelten, Medien, KunstIn Wirklichkeit ist Kunst ja nicht eine bestimmte Gattung von Objekten aus einer durch den menschlichen Verstand beschriebenen Dingwelt, also den Kunstwerken etwa. In Wirklichkeit ist Kunst auch nicht die Malerei, die Musik oder gar Design. Die Malerei ist manchmal Kunst, doch Kunst ist nicht die Malerei. Alles hängt mit ihr zusammen, beschreibt sie dennoch letztlich nicht. So erscheint sie – die Kunst – auf diese und jene Weise und gibt doch Rätsel auf über ihre Substanz; sie ist ein System zwischen den Systemen. Ein Werk und eine Gattung können die Kunst nie beschreiben und dennoch kommt das Werk und die Gattung aus ihr. Die Kunst erscheint wie ein Katalysator – sie ist zugegen und durch sie kommen Reaktionen zustande, werden verlangsamt oder beschleunigt, doch sie wird in diesem Prozess nicht verbraucht. Sie wird nicht verbraucht, weil sie keinen übergeordneten Autor hat. Ein Autor kann aber wohl das Glück haben, ihrem Prinzip für einen Moment zu erliegen und sie zutage zu fördern. “Kunst kann nicht nützlich sein” (Vgl. Oskar Wilde) und doch suchen Tausende ihren Nutzen.
Ist eigentlich das Bloggen Kunst? Möglich wär’s. Ist Kunst Bloggen? Keinesfalls. Zwischen dem Bloggen und der Kunst gibt es aber ein paar Zusammenhänge. Die Blogosphäre wie auch die Kunst sind Systeme, in denen selbstreferenzielle Prinzipien (ein Blog zitiert das nächste oder ein Künstler orientiert sich am anderen) nicht gerade selten in Erscheinung treten und auch solche, die durch die Referenz auf das normative Traditionelle (traditionelle Leitmedien bspw. im Falle der Blogs, die diese zitieren, gesellschaftliche Realität oder ästhetische Tradition etc. im Falle der Kunst – man denke hier z.B. auch an Dürer’s Selbstbildnis) das Traditionelle in aller seiner Unvollkommenheit oder sogar Unwahrheit sichtbar machen können. Durch diese Bezugnahme werden oft neue Optionen sichtbar gemacht und dringen als Konzept ins menschliche Bewusstsein. So wurden ja auch bspw. jüngst Presseausweise an Blogger zugesichert. Es gäbe sicher noch weitere Gemeinsamkeiten, aber einen Blogartikel über Blogging möchte ich gar nicht verfassen. Blogging war hier als ein Beispiel dafür gedacht, um manifestierte oder symptomatische Momente innerhalb der Selbstorganisation von Systemen anzudenken. Denn das Blogging sehe ich als ein solches Symptom an, was an seinem Beispiel die jungen Umbrüche der kommunikativen Systeme ein Stück weit visualisiert oder zum Ausdruck bringt. Und Umbrüche – ich nenne diese mal zusammenfassend Medienumbrüche – gab es einige. Ausgehend von der mündlichen Sprache über die sumerisch-akkadische Keilschrift, über die Gutenberg-Galaxis und die Digitalisierung, bis hin zu der multidirektionalen Kommunikation vermittels dezentraler Netzstrukturen und der Hybridisierung von Kulturen. Heute bedienen wir uns als prototypische Varianten eines homo communicans gerne der Blogging - Technik um Informationen zu aggregieren oder zu zerstreuen oder natürlich einer anderen Kommunikationsoption aus der Menge fast unzähliger Möglichkeiten. Wie Watzlawik schon sagte: „Man kann nicht nicht kommunizieren“ - und heute schon gar nicht. Doch um auf den Beginn des Artikels anzuknüpfen… Kunst kann zwar von ihrer Natur her nicht nützlich sein (da sie nicht in der Sachwelt der Nützlichkeiten zu verorten wäre), aber sie kann als gesellschaftliches Prinzip Nutzen bringen. Man denke an Beuys und seine soziale Plastik.
„Die Theorie der „Sozialen Plastik“ besagt, jeder Mensch könne durch kreatives, soziales Handeln und Verhalten zum Wohl der Gemeinschaft beitragen und dadurch plastizierend auf die Gesellschaft einwirken. Aus dieser Vorstellung entstand die viel zitierte Hauptthese der Sozialen Plastik: „Jeder Mensch ein Künstler”.“ [Quelle: Wikipedia ]
Ich glaube, dass die Prinzipien der Kunst (als individuell anwendbares und erlebbares Prinzip) und die sich selbst organisierenden medialen Strukturen der Gegenwart zusammengenommen eine gesellschaftliche Chance darstellen, die mich an Beuys im Sinne seiner Sozialen Plastik erinnert.
to be continued …












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September 8th, 2010 um 18:45
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