Wacom Intuos3 SE A4Es gibt sicher tausende Varianten um auf digitalem Wege ein Bild zu malen. Eine Möglichkeit wäre, ein Grafiktablett (siehe Bild links, z.B. von Wacom) und eine geeignete Software zu benutzen. Über ein Grafiktablett hat man nun Möglichkeiten, die einem durch eine Maus als Eingabegerät nicht gegeben sind. Man kann nämlich mit dem Stift auf relativ natürliche Weise den Vorgang des Zeichnens drucksensitiv imitieren. Einzige Nachteile dieser Technik gegenüber dem realen Zeichnungsvorgang sind, 1.) dass man auf den Monitor schauen muss und die Hand jedoch auf der Tablettfläche bewegt, was zu Beginn gewöhnungsbedürftig ist; und 2.) dass die taktile Wahrnehmung nur begrenzt funktioniert, da die Oberflächenbeschaffenheit des Grafiktabletts und die Reibung des Stifts immer einen gleichförmigen Eindruck an Hand und Hirn vermitteln. Hat man sich jedoch an diese Umstände gewöhnt, bietet ein Grafiktablett einige interessante Möglichkeiten. In Kombination mit einer geeigneten Grafiksoftware kann man zeichnen und malen, wie es mit einer Maus nicht möglich wäre. Doch was bedeutet “geeignete” Grafiksoftware? Das Programm sollte die drucksensitive Eingabe des Tabletts bzw. Stifts unterstützen und entsprechend umsetzen können. Photoshop kann das beispielsweise und man kann sich etwa Folgendes darunter vorstellen: übt man größeren Druck mit dem Stift aus, entsteht ein dicker Strich, übt man wenig Druck aus, entsteht ein dünner Strich. Die Druckintensität kann man dann aber neben der Dicke weiter mit verschiedenen Einstellungen für die virtuelle Pinselspitze in Verbindung setzen. So kann der Druck bspw. auch auf die Deckkraft oder andere Einstellungen bezogen werden (die Möglichkeiten hängen von der Grafiksoftware ab). Da sich nicht jeder eine Photoshoplizenz leisten kann und muss, möchte ich heute eine kostenfreie Alternative vorstellen (derer es mehrere gibt), mit der es möglich ist ein Bild zu malen, welches wie ein Ölbild oder wie eine Kreidezeichnung anmutet.

Das Programm heisst Artweaver und ist hier erhältlich. Neben dem kostenlosen Download werden auf der Website auch einige Plugins zur Verfügung gestellt. Auf der englischen Wikipedia-Seite habe ich einen Vergleich von einigen Grafikprogrammen gefunden. Dort kann man sich auch über vergleichbare Produkte und die jeweiligen Programmeigenschaften erkundigen.

Wer Photoshop kennt, wird mit Artweaver sehr schnell zurecht kommen. Grundsätzlich bietet Artweaver die Möglichkeit auf mehreren Ebenen zu arbeiten (inklusive der diversen Überlagerungsmethoden und Transparenzeinstellungen), eine Vielzahl von Pinseleinstellungen vorzunehmen (Bleistift, Schwamm, Airbrush, Öl, Kreide usw.) und es sind weiter die gängigen Grundfunktionen implementiert (einige Filter, Farbauswahl, Formauswahl und Lassowerkzeug etc., grundlegende Bildeinstellungen wie Größe usw. sowie Import / Export - Möglichkeiten). Alles in Allem also eine runde Sache.

Artweaver ist nun primär auf das Arbeiten mit einem Grafiktablett ausgerichtet und nicht wie Photoshop ein Allround-Bildbearbeitungsprogramm. D.h. es ist in erster Linie für die digitale Malerei gedacht (ähnlich wie Open Canvas), kann aber, insofern der Anspruch nicht all zu hoch ist, auch zur Fotobearbeitung verwendet werden. Um das Programm zu testen, habe ich einfach ein schnelles Bildchen gemalt (siehe unten) und dabei alle möglichen Funktionen ausprobiert. Ich muss insgesamt sagen, dass der Einstieg überaus leicht fiel, was ich persönlich von Gimp bspw. nicht behaupten kann. Fairnesshalber muss man hier aber anmerken, dass Gimp weitaus mehr kann als Artweaver. Gimp finde ich dennoch zu unintuitiv und auch wenn ich dem Programm stets eine Chance eingeräumt habe (vor allem als kostenfreies Bildbearbeitungsprogramm), konnte ich mich nie ganz damit anfreunden. Artweaver hat den Zweck des digitalen Malens voll erfüllen können und dabei habe ich nichtmal Plugins hinzunehmen müssen. Bei 300 dpi und einer Fläche von 800 x 600 Pixel lief das Programm auf ca. acht bis neun Ebenen auch ohne Zwischenspeicherung performant und absturzfrei. Die angebebotenen Pinselspitzen besitzen eine Vielzahl von Einstellungsoptionen und waren auch schon in den Grundeinstellungen relativ nett. Das fertige Bild liess sich in neun Formaten abspeichern (JPEG, BMP, PNG etc. und sogar PSD) und es wird überdies der Export in PDF und Slices angeboten. Was mir negativ aufgefallen ist (insofern ich das richtig überprüft habe), dass nicht verschiedene Farbräume unterstützt werden. Offenbar wird sRGB benutzt.

Fazit: Mit Artweaver hat man eine solide und kostenfreie Lösung an der Hand, die für das Malen digitaler Bilder völlig ausreicht. Das Programm ist übersichtlich und leicht aufgebaut, wodurch ein schneller Einstieg möglich ist. Möchte man allerdings in verschiedenen Farbräumen arbeiten oder sehr komplexe bzw. aufwendige Bildbearbeitung betreiben, ist man mit anderen Programmen vermutlich besser bedient.

Screenshot Artweaver

 


 
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