Rückblick: Stan Vanderbeek
Der Artikel ist von: Teriell in Film, Gesellschaft, Künstler, Bitwelten, Medien, KunstWenn man im Netz nach Informationen zu Stan Vanderbeek sucht, stellt man schnell fest, dass diese im Verhältnis zu Informationen über manch anderen Künstler seiner Zeit relativ rar gesät sind. Und im Grunde ist das schon sehr verwunderlich. Denn der Amerikaner Stan Vanderbeek (geboren 1927, gestorben 1984) hat sehr früh, also sagen wir mal grob in den 60ern, experimentelle Filme erstellt und sich mit der Materie der Bilder (insgesamt auch dem Potential neuer Medientechniken) eben praktisch-experimentierfreudig und gedanklich auseinandergesetzt.
Da Vanderbeek im kollektiven Gedächtnis zumindest ein wenig untergegangen zu sein scheint, möchte ich heute einige Quellen zu der Person und seiner Arbeit zusammenfassen.
Das oft so gelobte Angebot der Wikipedia versagt bei der Recherche zu Vanderbeek. Auf der deutschen Seite von Wikipedia gibt es hier keinen Eintrag zur Person. Die englische Version verfügt zwar über einen Eintrag, ist aber sehr knapp und ehrlich gesagt wenig aufschlussreich. Auch Google kennt verhältnismäßig wenige Einträge (etwa 7580). Ein (relativ willkürlich gewähltes) Gegenbeispiel: eine Suche nach Doug Aitken, der auch mitunter oder in erster Linie durch seine Videoarbeiten bekannt ist, bringt es auf ca. 103.000 Treffer. Woran genau es nun liegt, dass Vanderbeek etwas unterrepräsentiert ist, kann ich nicht beantworten. Vielleicht liegt es ja daran, dass er ein wenig “vor seiner Zeit” war, sich neuer Techniken bediente oder aber dass er zu große, utopistische Ideen mit medientechnischen Möglichkeiten in Verbindung brachte. Und dieses in der Zeit des Kalten Krieges. Aber wie schon gesagt, es sollen nun ein paar Quellen zusammengefasst werden, um an Vanderbeek wenigstens zu erinnern.
In einem Text des Medienkunstnetz heißt es:
VanDerBeeks ironische Kompositionen stehen in der surrealen und dadaistischen Tradition der Collagen von Max Ernst, lassen allerdings eine wilde, raue Ungezwungenheit erkennen, die mehr dem Expressionismus der Beat Generation ähnelt. In den 60er Jahren begann VanDerBeek mit Claes Oldenburg und Allan Kaprow sowie mit Vertretern des Modern Dance wie Merce Cunningham und Yvonne Rainer zusammenzuarbeiten. Etwa zur gleichen Zeit baute er sein Movie-Drome-Theater in Stony Point, New York, wo er Shows entwarf, bei denen er mehrere Projektoren verwendete. Bei diesen Aufführungen waren eine Vielzahl an zufällig entstandenen Bildsequenzen und Szenenanschlüssen zu sehen, wodurch keine Performance einer anderen glich.
Seine Sehnsucht nach Utopie führte dazu, dass er mit Ken in den Laboren der Bell Company zusammenarbeitete, wo sie Ende der 60er Jahre eine viele computeranimierte Filme drehten und holografische Experimente durchführten. Zur gleichen Zeit war an mehreren Universitäten als Dozent tätig, wobei er neue Methoden der Darstellung erforschte, angefangen mit den Dampf-Projektionen für den Guggenheim Museum bis hin zu den interaktiven Fernsehübertragungen seiner »Violence Sonata« (»Gewalt-Sonate«), die 1970 auf mehreren TV-Kanälen gezeigt wurden. [Quelle: Medienkunstnetz]
Um einen ersten Eindruck von der Arbeit Vanderbeek’s zu Erhalten, empfehle ich die Kurzdokumentation “Vanderbeek revisited” (ca. 15 Minuten lang), welche auf KanalB unter einer CC-Lizenz veröffentlicht ist (und somit auch zum Download zur Verfügung gestellt wurde). Hier sind einige der wesentlichen Aspekte seiner Arbeit dokumentiert und auch anhand von Filmbeispielen visualisiert.
Ein paar Links zum Thema:
- Filmreference.com: Eine Liste von Filmen und Publikationen sowie weitere Informationen
- <<Culture Intercom, a proposal and manisfesto>> (Excerpt von Stan Vanderbeek) auf dem Medienkunstnetz
- Infos auf eai.org (Electronic Arts Intermix)
- Die teilweise oben zitierte Biografie Vanderbeek’s auf Medienkunstnetz
- “Ansatz zu einer Werkdokumentation” von Steven Hutchings
- Wikipedia-Artikel zu “Expanded Cinema“
- Infos zu “Video” bei kunstwissen.de
Literatur:
- Gene Youngblood: Expanded Cinema, 1970
- Gloria Sutton: Stan VanDerBeek’s Movie-Drome: Networking the Subject. in: Jeffrey Shaw, Peter Weibel (Hrsg.): Future Cinema. The Cinematic Imaginary after Film, Ausstellungskatalog, Karlsruhe, Cambride, Mass. 2003, Seite 136-143
- Stan VanDerBeek: “Culture: Intercom” und “Expanded Cinema”. Ein Entwurf und ein Manifest. In: Gottfried Schlemmer (Hg.): Avantgardistischer Film 1951-1971: Theorie, München, 1973
Und glücklicherweise gibt es auch ein paar Videos von und über Vanderbeek im Netz:
Science-Friction (1959)
Symmetrics (1972)
Achooo Mr. Kerrooschev (1959/1960)
A la mode (1959)
Zudem:
- Vanderbeek über: The computer generation, (Teil 1, Teil 2)
- Stan Vanderbeek and Kenneth Knowlton-Poemfield no.2












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