Goldener Monaco - und jetzt?
Der Artikel ist von: Teriell in Film, Veranstaltungen, Universität, MedienEinmal im Jahr werfen sich einige Studenten der Siegener Uni in Schale, rollen einen roten Teppich aus und spielen Hollywood. Das Spektakulum wurde der “Der Goldene Monaco” getauft und ist eine Filmpreisverleihung. Der werte Herr James Monaco, nach welchem dieser Filmpreis benannt ist, hat übrigens einst das durchaus empfehlenswerte Standardwerk ‘Film verstehen’ verfasst. Doch zurück zum Thema - der “Goldene Monaco 2008″ …
Beginnen wir mit einem kleinen Medienecho:
Auf dem WAZ-Portal “DerWesten” war zu lesen …
Siegen. Glamourös und spannend - so präsentierte sich am Freitagabend die sechste Filmpreisverleihung des “Goldenen Monaco” in der Bühne der Stadt Siegen. Gewinner in fünf Kategorien durften den goldenen Preis mit nach Hause nehmen. […]
Es war fast so, wie man es aus dem Fernsehen kennt: roter Teppich vor der Einganstür, Foyer und Innenraum geschmückt sowie extravagante Abendkleider.
[Quelle: DerWesten]
Die Siegener Zeitung meinte …
Es war ein nahezu perfekter Abend: Der rote Teppich war ausgerollt, die Fackeln entzündet, die Damen in festlicher Robe, Glitzer und Glamour, wohin man blickte, und natürlich als Höhepunkt des aufwändigen Treibens die Preisverleihung an die strahlenden Gewinner beim Goldenen Monaco 2008. Die studentische Initiative medialab verlieh zum siebten Mal den Preis an Studierende der Universität, die sich mit ihren Filmbeiträgen vorgestellt haben.
75 Filme sind eingereicht worden, ein studentisches Gremium von medialab traf, nach Kategorien aufgeteilt, eine Vorauswahl, so dass pro Kategorie noch vier Beiträge übrig blieben, die sich eine überaus fachkundige Jury vornahm: Kinobetreiber Jochen Manderbach, die Filmwissenschaftler Oliver Baumgarten und Frank Thomas Meyer, Anna Fantl von der Filmstiftung NRW (verantwortlich für die Nachwuchs-Förderung) und Drehbuchautor Yannick Posse.
[Quelle: Siegener Zeitung]
Die Erwartungen an die eigentlichen und dortig vorgestellten Filme, welche aufgrund der äußerlichen Inszenierung dieses Filmfestspiels hervorgerufen werden müssen, sollten nicht zuletzt gemessen an den Zeitungs-Stimmen ja entsprechend hoch ausfallen. Man sollte mit anderen Worten davon ausgehen können, dass eine Art von qualitativer Stimmigkeit zwischen Inhalt: Film und Verpackung: Filmfest bestünde. Doch Ausnahmen bestätigen ja oft die Regel…
In diesem Jahr haben wir - eine Gruppe von “Medieninformatikern” den Publikumspreis gewonnen. Verrückte Welt.
Denn:
Ich hätte meinerseits um ehrlich zu sein, diesen Film keine Zitrone gewinnen lassen. Warum? Mal überlegen … Schon in der Planungsphase des Videos stellte sich im Grunde heraus, dass es zeitliche und koordinative Probleme im Hinblick auf die Realisierung geben wird, welche sich auch später zeigten. Hinzu kamen technische Probleme: für den Film waren letztlich verschiedene Techniken vorgesehen (Realaufnahmen in einer Bluebox, 3D-Animationen und Zeichnungen etc.), welche allesamt Probleme bereiteten. Probleme aufgrund fehlender Zeit für eine qualitativ hochwertige Ausarbeitung, Probleme aufgrund mehr oder minder schlechter infrastruktureller Bedingungen (z.B. waren die 3D-Szenen kaum gebührend renderbar) usw. Gerade diese beiden Faktoren: Zeit und Infrastruktur, sind nicht gerade unerheblich für ein Vorhaben, in welchem verschiedene Techniken zum Einsatz kommen. Man muss bedenken, dass in aller Regel die Medieninformatiker ein solches Projekt “nebenbei” bewerkstelligen. Von unserem Team waren zwei Leute schon gedanklich in die Thematik der Diplomarbeit verstrickt und die anderen hatten mit Klausuren und Seminaren eigentlich schon einen ausgefüllten Wochenplan. Wenn dann noch die Infrastruktur “streikt, mehren bzw. häufen sich die Probleme. Dementsprechend schnell fiel später die Schnittphase aus. Doch schon zuvor wurden zahlreiche eigene Erwartungen an das Projekt nach “sehr sehr weit” unten korrigiert. Im Prinzip konnte das der Schnitt dann ohnehin nicht mehr ausgleichen. So habe ich mich eigentlich schon inmitten der Erstellungsphase mit einer Träne im Knopfloch
von hehren Zielen verabschiedet. Das Resultat war letztlich ein narrativ und auf der Bildebene völlig unkohärentes Video, in dem viele technisch unterschiedlich erfolgte Verhackstückelungen aneinandergereiht wurden.
Tja - und in Siegen gewinnt man damit offenbar trotzdem noch den Publikumspreis beim Goldenen Monaco. Wie das zu deuten ist, weiß ich im Grunde nicht… ich kann mir jedenfalls schlecht vorstellen, dass die anderen in dieser Kategorie vorgestellten Filme noch schlechter waren (ich war bei der Veranstaltung nicht dabei und kann das deshalb auch nicht beurteilen). Für die Fachkundigkeit des Publikums spricht diese Wahl jedenfalls nicht zwingend. Die Siegener Zeitung schrieb scheinbar auch etwas ratlos gestimmt:
Last not least riefen Javier Arguedas, Stefan Zander und David Zimmermann den Publikumspreis aus. Die Gäste der Preisverleihung konnten zwischen drei Filmen wählen und entschieden sich für den sehr artifiziellen und einprägsamen Videoclip »halbwolf Regen« von Sebastian Benderoth, Rudolf Koslowski, Thomas Schürholz, Jeong-Il Sin und Jackie Tabie.
Doch weshalb ich diesen Artikel eigentlich schreibe ist nicht das unverdiente Einheimsen eines Preises, sondern ein eher hochschulpolitischer Beweggrund…
Das Filmemachen selbst, sollte, insofern man es schon mächtig feiert, auch an diesem Standort entsprechend gefördert werden. Dieses betrifft vor allem die Infrastruktur in personeller sowie technischer Hinsicht. Die Medieninformatiker werden überdies im Grunde nicht wirklich ernst genommen. Neben zahlreichen Prüfungsvorbereitungen während des laufenden Semesters ist es vorgesehen, dass wir z.B. Audio- und Videoproduktionen bewerkstelligen. Die Motivation und die Möglichkeit zur qualitativ höherwertigen Umsetzung wären hier sicher größer, insofern uns ein realistischerer Rahmen geboten würde. Meinem Professor, bei welchem die Produktion stattfindet sind da keineswegs Vorwürfe zu machen: er ist sehr motiviert, flexibel und versucht, aus den bestehenden Mitteln das meiste herauszuholen.
Doch unterm Strich sind die Mittel, bspw. die technischen, rar gesät und müssen nicht selten zwischen mehreren Filmgruppen aufgeteilt werden. Aus meiner Sicht müssen mehr Schnittplätze, Kameras und sonstiges Equipment her, auf welche für eine erfolgreiche Produktion zugegriffen werden kann. Zudem wäre eine zu pflegende Anbindung an professionelle Unternehmungen aus dem Bereich der audiovisuellen Medien sicher beiderseits potentiell fruchtbar. Auch die gesamte Planung, Konzeption und Budgetbeschaffung hinsichtlich eines Filmprojekts müsste schon im Grundstudium neben der Praxis auch theoretisch professionell gelehrt werden. Doch das meiste scheint - trotz der Einnahmen durch Studiengebühren - nicht erkannt zu werden. Viele Kritikpunkte würden mir hier einfallen und richten sich an die Ebene der Politik und Budgetierung.
Unter Berücksichtigung solcher Aspekte und der Tatsache, dass so ein minderwertiges Filmchen wie unseres sogar noch einen Preis abräumt, kann ich eine Veranstaltung im Oscar-Style leider nicht wirklich ernst nehmen. Doch um dieses noch zu betonen: gegen eine Veranstaltung dieser Couleur habe ich keineswegs etwas einzuwenden.
Allerdings täuscht diese auch eventuell über die Realitäten hinweg. Um einen “Filmstandort” aufzubauen, bedarf es nicht nur roter Teppiche, sondern vor allem guter Bedingungen für Film.












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September 9th, 2010 um 20:46
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