In der Fotocommunity (Europas größte Foto und Bildcommunity) sorgt einmal wieder eine neue Funktion für Aufsehen und regen Diskussionsbedarf bei den Usern. Die Fotocommunity hatte sowieso schon in den letzten Monaten viel an ihrem Äußeren gebastelt um die Attraktivität und Funktionalität ihrer Community zu steigern. Sedcards für Models wurden eingeführt, abgespeicherte Favoritenbilder konnte man auch öffentlich freischalten, so dass man im Profil eines Fotografen einmal schauen konnte was dieser eigentlich für persönliche Favoriten hat. Im Grunde genommen aber Funktionen die in anderen Bildercommunitys absoluter Standard sind und die auch niemanden mehr persönlich aufregen.

Jetzt ist aber die Fotocommunity doch einen Schritt zu weit gegangen und hat auch noch die Buddies öffentlich gemacht. Wenn ich also einen Fotografen vorher als Favoriten abgespeichert hatte, so konnte ich sehr schnell sehen wann dieser ein neues Bild hoch geladen hatte. Um jetzt auch hier mehr Transparenz walten zu lassen, und den gemeinen Usern sehen zu lassen welchen Fotografen nun mein persönlicher Favorit auch noch selbst nebenbei favorisiert, hat sich die Fotocommunity eben entschlossen diese Schranken zu öffnen. Das macht sie auf ihre sehr eigene, vorsichtigen Art und Weise, da es ihr schließlich bewusst ist, dass ihre User in Wirklichkeit scheu wie Rennpferde sind.

Das funktioniert nun folgenderweise: Man hat weiterhin die Möglichkeit einen Fotografen anonym abzuspeichern, oder ihm über den Kontaktstatus die Anfrage zu einer “Freundschaft” zu übersenden. Dieser hat natürlich die Möglichkeit diese abzulehnen oder anzunehmen. Was selbstverständlich bei Ablehnung eine etwas missmutige Stimmung nach sich ziehen kann. Aber mal ehrlich. Welchen Grund sollte es geben eine Freundschaft abzulehnen ? Weil mir die Arbeiten des anfragenden Künstlers vielleicht nicht gefallen und ich auf keinen Fall mit diesem in Verbindung gesetzt werden möchte ? Weil ich mich eventuell zu durchleuchtet fühle ? Bei der Paranoia der Deutschen wäre dies sicherlich kein Wunder. Einige der Aussagen im Blog der Fotocommunity deuten zumindest darauf hin. Andere wiederum sehen sich jetzt schon auf einer Singelbörse oder sogar einem Schleimclub.

Punkt ist aber der, das die Fotocommunity nichts anderes vollzieht was sowieso schon andere Communitys seit Monaten vormachen. Sie visualisiert und funktionalisiert die Komplexität von Beziehung und Kommunikation. Wer tatsächlich ins Internet bzw. in das Geflecht einer Social Community einsteigt und glaubt nur über Bilder diskutieren zu brauchen und seine Fotos zu präsentieren der benutzt diese Informationstechnik nur als bloße Projektionsfläche für eigene Defizite. Im wirklichen Leben gehe ich auch nicht einfach auf die Strasse oder in meinen Bekanntenkreis und fange über meine Leidenschaften an zu fabulieren. Vorher muss ich mir ein Beziehungsgeflecht aufbauen in welches ich mich allerdings unterordnen, und den situationsbedingten Gegebenheiten anpassen muss. Nicht jeder will zu jeder Zeit etwas von meinen Leidenschaften und Ergüssen hören. Eine Online-Community soll diese komplexen Geflechte bündeln und neu innerhalb ihrer Hierarchien verteilen und diese Vorgänge verkürzen. Diese Verkürzung ist aber auch nur ein Wunschdenken, weil komplexe Kommunikation anders funktioniert und sich auch in Online Communities Begehren und Ablehnung ihre eigenen Wege und komplexen Ausdrucksformen verschafft.

In anderen Bildercommunitys wie Artbreak, Flickr und auch Deviant Art gibt es diese Funktionen schon erheblich länger. Allerdings mit unterschiedlichen Verfeinerungen. Bei Flickr und Artbreak hat man auch die Möglichkeit diese “Friendship” abzulehnen. Bei Deviant Art ist dies beispielsweise gar nicht möglich. Man wird quasi nur darüber benachrichtigt wer dich als “Friend” gewählt hat, und schon prangst du dick und groß bei diesem auf der Profilseite.

Aber mal ganz ehrlich. Warum sollte ich ein “Friendship” ablehnen ? Ist doch eine bewusste Lebenshaltung. Wenn mir jemand die Hand zum Gruß hinhält nehme ich sie doch auch. Als etwas anderes sehe ich diese Handlung nicht. In Wirklichkeit ein flüchtiger Moment. Im Internet dagegen eingefroren in Raum und Zeit.


 
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Ein Kommentar zu “…..und willst du nicht mein Freund sein !”

  1. Günter Pilger sagt:

    Wenn ich jemanden auf der Straße die Hand gebe, so ist das eine reine Formsache, mit der keine Freundschaft geschlossen wird, ein Vorgang, der auch nicht öffentlich wird!

    Anders ist das mit der öffentlichen Freundesliste. Die verstehe ich als Empfehlung, sich die Fotos des “Freundes” anzuschauen. Dazu müssen sie meinen (subjektiven) Qualitätsansprüchen genügen. Da kann ich keinen Eintrag machen von Leuten, die sich nur durch ein paar Fotos mit der Handyknipse hervorgetan haben!

    Bei einer Fotofreundschaft geht es in erster Linie um Fotos, nicht um die Menschen dahinter! Deswegen müssen die Fotos stimmen.

    Ich will auch nicht genötigt sein, zwischen Freunde 1. und 2. Klasse unterscheiden zu müssen.

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